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Es ordentlich rauchen lassen...
27. November 2005, 11:59, Ritti
Mein Pullover muffelt, meine Jeans stinkt und meine Jacke erholt sich auf dem Balkon. Was meine Lungen gerade machen, weiß ich
nicht so genau, ich hoffe aber, dass sie die Kurve kriegen - wie immer
halt.
Wenn man in die Kneipe geht, muss man schließlich mit unangenehemen
Gerüchen rechnen und dass der ein oder andere mit nach Hause kommt. Was
mach ich mir eigentlich Gedanken? Vielleicht liegt es
daran, dass die meisten "Duftschenker" Raucher sind. Vielleicht kommt
ergänzend hinzu, dass viele von ihnen MS haben. Und vielleicht ist da
auch eine Spur Ärger und Unverständnis: Wie kann man seinen sowieso
schon ramponierten Körper fröhlich weiter dem Untergang weihen?
Nichts gegen das Rauchen, ein Zigarillo ist eine feine Sache. Wenn
der Abend schön ist, steck ich mir auch schon mal ein oder zwei
an...
Viele meiner Freunde sind Raucher. Auch sie geniessen den Zug am
Glimmstengel. Was beklage ich mich also über MS-Kranke, die ihr Leben
geniessen wollen? Die Antwort ist einfach: Ich sehe den Genuss nicht,
die Sucht aber sehr wohl. Ich sehe die Gier nach einem Glimmstengel,
aber nicht die Freude. Und ich ärgere mich dann tatsächlich, wie
MS-Kranke ihren Körper quälen. Was hat er ihnen eigentlich getan? Oder
mögen sie muffelnde Jeans und stinkende Pullover? Vielleicht können sie
sie schon gar nicht mehr wahrnehmen? Wenn es mit dem Fingerkribbeln,
dem Knoten in den Beinen oder den Doppelbildern doch nur genauso wäre.
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Sich gut fühlen
21. October 2005, 09:52, Ritti
Eine gut gefüllte Terasse eines Cafés in Böblingen. Mir gegenüber
hadert eine Frau in meinem Alter über ihr Schicksal. MS blockiere sie,
mache ihr vieles unmöglich und überhaupt seien die anderen um uns herum
viel besser dran.
Ich denke an eine Bekannte(24), die sich mit der progredienten
Verlaufsform herumschlagen muss. Trotz starker Behinderung hat sie sich
entschieden ein Studium zu beginnen. Gleichzeitig verlässt sie ihr
Elternhaus, zieht in eine eigene Wohnung. Keine Worte des Klagens.
Einfach nur: Das ist halt so, ich mache das beste daraus. Lebensenergie
und Lebensfreude pur.
Das Seufzen an meinem Tisch will kein Ende nehmen. Es fällt mir
schwer Geduld und Verständnis aufzubringen. "Zeige mir hier einen
einzigen, der hundertprozentig gesund ist", sage ich. "Und dennoch
gehen sie alle ihren Weg. Ohne die MS verharmlosen oder schönreden zu
wollen, beschäftige Dich nicht nur mit dem, was nicht geht. Finde Deine
Möglichkeiten und nutze sie!" Ich klinge schon etwas oberlehrerhaft und
ergänze: "Gejammer will niemand hören. Wie soll man sonst feststellen,
wann es dir wirklich schlecht geht?" Schweigen und ein Lächeln. Ein
kurzes "...hast ja recht...". Ob sie mich wirklich verstanden hat, kann
ich nicht sagen. Nur soviel: MS ist ein Riesenrotz. Aber es lohnt sich
nicht negative Gedanken zu verschwenden. Es lohnt sich nicht
gegen die Krankheit zu kämpfen. Die vergeudete Energie ist mir viel zu
schade. Ich habe die Krankheit seit sieben Jahren. Sie ist zu einem
Teil meines Lebens geworden, aber nicht zu meinem Leben. Ich fühle mich
einfach gut.
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